Die Hundeschule mit Brösel ist sehr effektiv. Brösel könnte noch besser lernen, wenn ich genauso gut mitmachen würde wie er. Ich muss allerdings schon etwas über meinen Schatten springen. Gestern hatte ich die dritte Trainingsstunde mit Charlotte und Brösel sollte vorführen, dass er unter Ablenkung an der kurzen Leine aufmerksam bleibt und nicht an der Leine zieht. Ich hatte mir unter “Ablenkung” sowas wie pfeifen, klatschen oder rasseln vorgestellt und sah der Stunde halbwegs gelassen entgegen. Ich hatte mit Brösel geübt, erst an ruhigen Plätzen im Park, dann auch auf der Hundewiese und an einer lauten Straße und Bröselchen hat das ganz gut gemeistert.
Umso schlimmer mein Erschrecken, als ich sah, was Charlotte als Ablenkung mitgebracht hatte: getrockeneten Pansen, eine ganze verlockend knisternde Tüte voll! Essen ist für Brösel die ultimative Herausforderung, und ehrlich gesagt ist mir in dem Moment das Herz in die Hose gerutscht und ich dachte, ich kann bei dieser Schwierigkeitsstufe eh gleich wieder nach Haus gehen. Ich war mir sicher, dass ich das mit Brösel noch nicht schaffe.
Charlotte ist die ganze Zeit ganz cool geblieben, während ich mit immer noch falscher Technik an der Leine ruckte (das kurze Impulse geben hatte ich immer noch nicht drauf) & Brösel mit voller Kraft an der Leine zog und versuchte, die getrockneten Pansen zu erwischen, die sie am Wegesrand kauernd lockend in der Hand hielt. In mir machte sich Hoffnungslosigkeit breit und ich dachte, die Leinenprüfung mit einem Hund wie Brösel kann ich echt vergessen, wenn er es meistern soll, an leckerem Futter willenstark vorbeizugehen. Nachdem Charlotte mir geduldig immer wieder die richtige Technik zeigte und ich es mit Brösel noch ein paar Mal versuchte, hatte Brösel allerdings kapiert: er ging in einem Bogen um das auf dem Boden als Köder ausgelegten Stück Pansen herum. Das schaffte er ein paar Mal. Danach war er allerdings völlig kaputt, es hatte ihn einige Kraft gekostet. Dennoch fuhr ich mit gesunkener Stimmung nach Hause, denn ich dachte “Bis morgen hat Brösel das wieder vergessen”.
Heute Vormittag war ich dann mit Brösel in Planten un Blomen, um zu üben. Ich legte einen kleinen Leckerli-Parcours aus und Brösel musste an der Leine im Zickzack zwischen den herumliegenden Leckerlis hindurchgehen, ohne einen davon zu essen oder auch nur Aufmerksamkeit zu schenken. Es hat wunderbar geklappt!!! Hier hat sich mir wieder einmal gezeigt, dass die Erziehung der Hunde selten an der Intelligenz der Hunde scheitert, sondern daran, dass man als Herrchen oder Frauchen zu wenig an den Hund glaubt und ihm zu wenig abverlangt. Eins kann ich jedenfalls sagen: Die Hundeschule ist nicht nur für Brösel schwierig, sondern auch für mich. Mir wird Konsequenz, Härte und Bestimmtheit abverlangt. Und vom Hunde-Verhätscheln werde ich mich wohl endgültig verabschieden müssen, denn ich merke beim Training mit Brösel, dass er sehr wohl ein leistungsfähiger, kluger Hund ist, der es verdient, ernstgenommen zu werden.