März 2010
Der März 2010 war ein eher stiller, aber umwälzender Monat. Brösels Lernfähigkeit und seine Aufmerksamkeit sind groß und er fängt an, bei kleineren “Nervösmachern” wie anderen Hunden, die ihn anknurren oder kleineren “Leckereien” wie altem Brot oder gammeligem Essens-Müll auch mal cool zu bleiben und auf mein “Aus” oder “Nein” sofort zu reagieren, was dann mit einem Leckerli belohnt wird.
Da hilft dann auch kein Clausthaler …
Das Vertrackte an der Erziehungs-Arbeit mit Brösel ist, dass er die meisten Anregungen schnell aufnimmt und begreift, sie aber nicht wirklich verlässlich befolgt. Meistens kommt er, zum Beispiel, wenn ich mit ihm ausgehe, sofort wie ein geölter Blitz angelaufen, wenn ich ihn rufe. Das ist eigentlich immer der Fall, wenn ich mit ihm alleine draussen bin. Kommen aber andere Menschen hinzu oder macht es die Situation erforderlich, dass er sofort reagiert, kann er auch ganz anders. Dann macht er noch einen Schlenker, hebt seelenruhig noch mal sein Beinchen und kommt dann lässig angeschlendert. Natürlich immer dann, wenn es “darauf ankommt”, also, wenn Leute zusehen oder wenn es nicht nur zu Übungszwecken geschieht, sondern wirklich “ernst gemeint” ist, hört er nicht zuverlässig. Das nervt manchmal echt ganz schön!
Ausserdem rückt damit der Leinenbefreiungs-Schein natürlich in weite Ferne. Ich tröste mich immer damit, dass ich Brösel erst seit Ende letzten September habe, also etwas über ein halbes Jahr; und dass ich auch nicht erwarten kann, einen etwa vier Jahre alten spanischen Straßenhund, der die größte Zeit seines Lebens mit betteln, klauen und Müll fressen verbracht hat, geschlagen und misshandelt wurde und dann von einem Hundefänger in eine Perrera geschleift wurde, im Nullkommanichts in einen geschniegelten Eton-Hund mit Stehkragen und feinen Manieren zu verwandeln, der mit abgespreizter Kralle seine kleine Hunde-Teetasse hält …
Eigentlich bin ich sehr stolz auf den Kleinen, da er so aufgeweckt ist. Auf der anderen Seite neige ich dazu, eben weil er so schlau ist, ihn zu überfordern. Ich muss mich dann immer darauf besinnen, mich lieber an die eigene Nase zu fassen. Denn vom Umgang mit traumatisierten Hunden hatte ich, als ich Brösel bekam, keinen Plan. Ich habe viel ausprobiert und wieder verworfen, viel gelesen und mein Verhalten immer wieder den neuen Erkenntnissen angepasst. Brösel erfährt eigentlich jetzt erst wirklich konsequente, über lange Zeiträume immer gleiche Behandlung. So durfte er ja, als er anfangs noch so verängstigt war, am Fußende des Bettes schlafen. Nun hat er ein Körbchen im Schlafzimmer und muss darin schlafen, was ihn auch anfangs verunsichert hat. Aber es ist für mich einfach bequemer, da ich mich jetzt wieder fröhlich im Schlaf hin- und herwälzen kann, ohne einen Hund aufzuschrecken, der dann quietschend aus dem Zimmer rennt, als hätte ihn ein Stromschlag getroffen …
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